Ist Padel olympisch? Was das Debüt bei den Asienspielen wirklich bedeutet
Am Montag spielt Padel zum ersten Mal bei den Asienspielen um Medaillen, es ist die dritte Multisport-Veranstaltung mit Padel binnen sechs Wochen. Olympisch ist der Sport trotzdem nicht, und an der Verbreitung liegt das nicht. Wir haben nachgesehen, woran es wirklich hängt.
Padello Redaktion
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Am Montag, dem 28. September, schlagen in Nagoya die ersten Paare auf. Im Higashi Sports Center beginnt das Padel-Turnier der Asienspiele, im Männer- und im Frauendoppel, mit Gold, Silber und Bronze. Für Padel ist es das Debüt beim größten Multisport-Ereignis Asiens.
Und es ist nicht die einzige Bühne. Ende August wurden in Taranto die ersten Medaillen der Mittelmeerspiele vergeben, bei den Südamerikaspielen in Santa Fe läuft das Turnier gerade, im Dezember folgt Riad, im Juni 2027 Istanbul. Drei Multisport-Veranstaltungen mit Padel binnen sechs Wochen, das gab es noch nie.
Da liegt die Frage nahe, die wir auf Anlagen und in Vereinsheimen ständig hören: Ist Padel jetzt olympisch? Die kurze Antwort lautet Nein. Die interessantere Antwort ist, woran es hängt. An der Verbreitung jedenfalls nicht.
Schnellcheck
Nein
Padel ist nicht olympisch, auch 2028 in Los Angeles nicht
28.9.
Start des Padel-Turniers bei den Asienspielen in Nagoya
5
Multisport-Spiele mit Padel-Medaillen in elf Monaten
2032
Brisbane ist der früheste realistische Termin, sicher ist er nicht
Nagoya: das Debüt in Asien
Den Weg nach Nagoya hat der Olympische Rat Asiens freigemacht, der Dachverband der Asienspiele. Im November 2025 hat er den Weltverband FIP einstimmig anerkannt und Padel ins Programm aufgenommen. FIP-Präsident Luigi Carraro sprach bei der Verkündung in Kuwait von einer Nachricht, die man „mit großer Begeisterung und Stolz“ aufnehme.
Gespielt wird vom 28. September bis zum 3. Oktober, es gibt zwei Wettbewerbe: Männerdoppel und Frauendoppel. Deutsche Spielerinnen und Spieler sind nicht dabei, die Asienspiele sind den Nationen Asiens vorbehalten. Wer die Weltspitze live sehen will, muss aber nicht nach Japan. Eine Woche später, vom 4. bis 11. Oktober, spielt die Premier-Padel-Tour in Düsseldorf, alles zum Turnier haben wir hier zusammengetragen.
Fünf Spiele in elf Monaten
Nagoya ist Teil einer Serie, die sich über den Herbst bis in den nächsten Sommer zieht. So dicht war der Kalender für Padel noch nie:
Fünf Spiele in elf Monaten
Multisport-Spiele mit Padel als Medaillensport, August 2026 bis Juni 2027
Grau: vorbei. Grün: läuft gerade. Orange: ab Montag. Blau: kommt noch. Riad steht für die Asiatischen Hallen- und Kampfsportspiele. Davor gab es erst eine Station mit Medaillen: die Europaspiele 2023 in Krakau. Quellen: FIP, Veranstalter.
Taranto war Ende August die Generalprobe: 88 Spielerinnen und Spieler aus 18 Nationen, drei Wettbewerbe. Bei den Männern gewannen die Spanier José Antonio Diestro und David Gala das Finale gegen Italien 7:6, 6:4, bei den Frauen setzten sich Lucía Sainz und Patty Llaguno im rein spanischen Endspiel durch. Das Mixed holten die portugiesischen Geschwister Sofia und Pedro Araújo in drei Sätzen gegen Italien.
In Santa Fe ist Padel zum ersten Mal Medaillensport, nachdem es 2022 in Asunción nur als Showwettbewerb dabei war. 16 Paare aus acht Ländern spielen noch bis Freitag.
Angefangen hat alles 2023 in Krakau. Bei den Europaspielen stand der Court mitten auf dem Hauptmarkt der Altstadt, Deutschland war mit sechs Spielerinnen und Spielern dabei. Die Medaillen gingen damals nach Spanien, Italien und Portugal. Die nächste Chance für deutsche Teams sind die Europaspiele 2027 in Istanbul, dort ist Padel wieder im Programm, mit Männern, Frauen und Mixed.
Und Olympia?
Bei den Spielen 2028 in Los Angeles ist Padel nicht dabei. Die fünf Sportarten, die der Gastgeber zusätzlich ins Programm holen durfte, stehen seit 2023 fest: Baseball und Softball, Cricket, Flag Football, Lacrosse und Squash. Squash hat es nach mehreren gescheiterten Anläufen geschafft, Padel war nicht einmal im Rennen.
Bleibt Brisbane 2032. Im Netz liest man oft, das sei so gut wie sicher, und fast genauso oft, der Weltverband FIP sei längst vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt. Beides stimmt nicht.
Woran es wirklich hängt
Das IOC führt eine Liste der Weltverbände, die es anerkannt hat, ohne dass ihre Sportart olympisch ist. Darauf stehen Squash, Cricket und Lacrosse, aber auch Tauziehen, Bridge, Schach und Sumo. Die FIP steht nicht darauf, wir haben die Liste auf der Seite des IOC am 23. September geprüft.
Das ist der eigentliche Engpass. Denn ins olympische Programm kommen nur Disziplinen von Verbänden, die das IOC anerkannt hat. Für Brisbane gibt es dafür zwei Wege, und beide hat das IOC erst in diesem Jahr neu geregelt:
- Über die Weltverbände. Für Brisbane dürfen Verbände, deren Sportart schon im Programm steht, je eine zusätzliche Disziplin vorschlagen. Andere anerkannte Verbände kommen nur zum Zug, wenn ihre Sportart schon einmal als Zusatzsport eines Gastgebers dabei war, in Tokio, Paris oder Los Angeles. Padel erfüllt keine der beiden Bedingungen.
- Über den Gastgeber. Seit der Reform vom Juni darf ein Veranstalter bis zu vier Disziplinen nachnominieren, rund fünf Jahre vor den Spielen, für Brisbane also um 2027. Er muss die Kosten dafür selbst tragen, und er darf nur aus anerkannten Verbänden wählen.
Der Weg nach Olympia
Wo Padel auf dem Weg zu den Spielen 2032 in Brisbane steht
Grün: erreicht. Orange: Hier hängt es. Grau: steht noch aus. Nachnominieren darf ein Gastgeber nur Disziplinen von Verbänden, die das IOC anerkannt hat. Stand: 23.09.2026, Quellen: IOC, FIP.
Der Ablauf ist also klar: erst die Anerkennung, dann Brisbane überzeugen, dann die Entscheidung des IOC. Das ist viel für fünf Jahre, aber nicht unmöglich.
Merke
An der Verbreitung scheitert Padel nicht mehr. Es fehlt ein Verwaltungsschritt, der aber alles blockiert: Ohne die Anerkennung durch das IOC kann kein Gastgeber Padel vorschlagen, so gut die Argumente auch sind.
Was für Padel spricht
Die Kriterien, nach denen das IOC seit der Reform bewertet, heißen globale Reichweite, Kosten und Aufwand sowie Vertretung der Athletinnen und Athleten. Vorher prüft es Governance, Integrität, Anti-Doping und den Schutz der Sportler.
Die Reichweite ist nach eigenen Angaben der FIP kein Problem mehr: 100 nationale Verbände auf fünf Kontinenten, 38 Millionen Spielerinnen und Spieler, 85.000 Courts in 27.000 Clubs, Ranglistenspieler aus über 120 Ländern. Die Zahlen stammen vom Verband selbst und sind entsprechend zu lesen, die Richtung stimmt aber. Allein in Deutschland zählt unser Platzfinder inzwischen über 2.100 Courts.
Bei den Kosten hat Padel einen Trumpf, den kaum ein anderer Kandidat hat. Ein Court braucht 20 mal 10 Meter und lässt sich auf Zeit überall aufbauen. In Krakau stand er auf dem Marktplatz, eine neue Arena braucht niemand. Genau solche Sportarten sucht das IOC, seit es die Spiele günstiger machen will.
Bei der Governance musste die FIP ihre Rolle erst verteidigen. 2022 wollte der Tennis-Weltverband ITF Padel als Tennisdisziplin übernehmen, die FIP sprach von einer „feindlichen Übernahme“. Der Vorstoß scheiterte auf der ITF-Jahresversammlung an der nötigen Zweidrittelmehrheit. Für das IOC ist die Frage nicht nebensächlich, es erkennt je Sportart in der Regel nur einen Weltverband an.
Was hätte dein Verein davon?
Ehrlich gesagt: kurzfristig nichts. Die Auslastung eines Courts in Bielefeld oder Bamberg hängt nicht an Medaillen in Brisbane. Der Boom in Deutschland ist ganz ohne Olympia entstanden, getragen von Vereinen, die ihren Mitgliedern etwas Neues bieten wollten, und von Betreibern, die eine Lücke gesehen haben.
Mittelfristig würde Olympia vor allem an der Spitze etwas verschieben. In Deutschland fließt der Großteil der Spitzensportförderung des Bundes in olympische und paralympische Disziplinen, also in Nationalteams, Trainer und Stützpunkte. Dazu kommen Fernsehzeit und Aufmerksamkeit, die jungen Nachwuchs anziehen. Davon profitieren Vereine, aber indirekt und mit Verzögerung.
Für eine Investitionsentscheidung heute taugt Olympia deshalb nicht als Argument. Was zählt, ist die Nachfrage vor Ort, wie viele Courts sie trägt und ob der Platz zu eurem Verein passt. Wer sportlich etwas aufbauen will, findet den kürzeren Weg im Ligabetrieb: Für eine Mannschaft reicht ein einziger Court.
Häufige Fragen
Ist Padel eine olympische Sportart?
Nein. Stand September 2026 gehört Padel nicht zum olympischen Programm, und auch bei den Spielen 2028 in Los Angeles ist es nicht dabei. Medaillen gibt es bei Multisport-Veranstaltungen unterhalb von Olympia, etwa den Europa-, Mittelmeer-, Südamerika- und Asienspielen.
Wird Padel 2032 in Brisbane olympisch?
Das ist offen. Dafür müsste das IOC zuerst den Weltverband FIP anerkennen, und danach müsste der Veranstalter in Brisbane Padel als eine von höchstens vier zusätzlichen Disziplinen vorschlagen. Dieser Schritt steht nach den Regeln des IOC etwa fünf Jahre vor den Spielen an, also um 2027.
Ist die FIP vom IOC anerkannt?
Nein, auch wenn viele Seiten das behaupten. Auf der Liste der vom IOC anerkannten Verbände steht die FIP nicht, das haben wir am 23. September 2026 geprüft. Anerkannt haben sie dagegen der Olympische Rat Asiens und der Hochschulsportverband FISU, und die Europäischen Olympischen Komitees haben Padel ins Programm der Europaspiele aufgenommen.
Wann spielen deutsche Teams wieder um Medaillen?
Bei den Europaspielen vom 16. bis 27. Juni 2027 in Istanbul. Padel steht dort im Programm, mit Männerdoppel, Frauendoppel und Mixed. Bei den Asienspielen in Nagoya sind nur asiatische Nationen startberechtigt.
Fazit
Padel ist so nah an Olympia wie nie. Fünf Multisport-Spiele in elf Monaten sind ein starkes Signal, und die Kostenfrage spricht klar für den Sport. Der entscheidende Schritt steht aber noch aus, und ohne ihn bleibt Brisbane ein Wunsch. Die Anerkennung durch das IOC wäre die Nachricht, auf die es wirklich ankommt, nicht die nächste Medaille.
Bis dahin wird Padel dort groß, wo es immer groß geworden ist: auf dem Platz um die Ecke.
Nicht bis 2032 warten?
Über 2.100 Courts in Deutschland findest du in unserem Platzfinder. Und wenn ihr selbst bauen wollt: Wir haben über 200 Projekte umgesetzt, vom Vereinsplatz bis zur Halle, und rechnen eures gern durch.
Zum PlatzbauStand 23. September 2026. Die Zahlen zur weltweiten Verbreitung stammen vom Weltverband FIP. Die Anerkennung durch das IOC haben wir auf der Liste der anerkannten Verbände auf olympics.com geprüft, die Regeln für Brisbane 2032 stammen aus den Mitteilungen des IOC vom Juni und August 2026.
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