Padel im Tennisverein: Was mit den Plätzen passiert — und was mit den Mitgliedern
Drei Padel-Courts passen auf zwei Tennisplätze, die Fläche ist selten das Problem. Schwieriger sind die Fragen dahinter: Welcher Platz weicht, wie lange ist die Ecke Baustelle, und was zahlen die Mitglieder? Wir haben die Zahlen zusammengetragen — auch aus unseren eigenen 100 Anlagen.
Padello Redaktion
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Anfang September stand auf dem Centre Court am Rothenbaum ein Padel-Court. Auf dem Platz, auf dem seit 1892 Tennis gespielt wird und in diesem Sommer noch die ATP-Profis standen, lief drei Tage lang das Festival PADELHAM — veranstaltet von Sporting Hamburg und MyPadel, und MyPadel ist die Padelmarke des Deutschen Tennis Bundes.
Wenn der Tennisverband selbst eine Padelmarke betreibt, ist die Frage in den Vereinen nicht mehr, ob Padel kommt. Sondern wie — ohne dass das Tennis darunter leidet.
Schnellcheck
Die Fläche
Auf zwei Tennisplätzen stehen drei Padel-Courts. Und es bleibt Platz übrig.
Die Bauzeit
Rund zehn Wochen ab Spatenstich, davon vier Wochen reines Warten auf den Beton.
Der häufigste Fehler
Den falschen Platz umbauen. Auslastung messen, nicht schätzen.
Die Flächenfrage ist meistens keine
Ein Padel-Court ist klein. Das Spielfeld misst 20 × 10 Meter, mit Fundamentstreifen braucht ein Outdoor-Court 20,85 × 10,85 Meter. Ein Tennisplatz ist mit 23,77 × 10,97 Metern Spielfeld zwar ähnlich lang, aber er braucht ringsum Auslauf — hinter der Grundlinie gut sechs Meter, an den Seiten knapp vier. Damit belegt ein einzelner Vereinsplatz rund 36 × 18 Meter.
Zwei nebeneinanderliegende Tennisplätze kommen mit geteiltem Seitenauslauf auf etwa 34 × 37 Meter. Auf diese Fläche stellen wir drei Padel-Courts: 33,55 Meter breit, 20,85 Meter tief. Die Breite passt fast auf den Meter, in der Tiefe bleiben rund 15 Meter übrig.
Zwei Tennisplätze, drei Padel-Courts
Maßstäblich gezeichnet: dieselbe Fläche, einmal mit Tennis, einmal mit Padel belegt.
Tennis: Spielfeld 23,77 × 10,97 m, dazu der übliche Auslauf. Padel: 20,85 × 10,85 m je Court inklusive Fundamentstreifen. Die graue Fläche rechts bleibt übrig — Platz für Zuwegung, Bänke und Zuschauer.
Das ist der Punkt, den die meisten Vorstände unterschätzen: Ihr gebt nicht Fläche auf, ihr verdichtet sie. Aus zwei Spielfeldern für maximal acht Leute werden drei Spielfelder für zwölf — auf demselben Grundstück, mit Platz für Bänke und eine vernünftige Zuwegung.
Warum die Zahlen bei euch abweichen können
Vereinsanlagen sind selten nach Lehrbuch gebaut. Alte Plätze haben oft weniger Auslauf, dafür stehen Zäune, Bewässerung oder ein Ballfangnetz im Weg. Wir vermessen jede Fläche vor dem Angebot selbst — bei Hallen genauso, dort ist am Ende meistens die Höhe der Engpass und nicht der Grundriss.
Welcher Platz weicht
Die ehrlichste Antwort: der, auf dem am wenigsten gespielt wird. Und das ist fast nie der, den der Vorstand im Kopf hat.
Wer ein Buchungssystem nutzt, kann die Frage in zehn Minuten beantworten — Belegung je Platz über die letzte Saison, sortiert. Wer auf Papierlisten bucht, zählt eine Saison lang mit. Beides schlägt jede Diskussion im Vorstand, weil danach niemand mehr über Gefühle streitet.
Zwei Dinge sprechen für die hinteren Plätze:
- Sie sind meist am schlechtesten erschlossen. Genau das ändert sich mit Padel, weil eine befestigte Zuwegung ohnehin zum Bau gehört.
- Ein Ascheplatz ist ein guter Untergrund. Die Tragschicht liegt schon da, das Fundament fällt bei uns auf einem Tennis-Ascheplatz sogar etwas günstiger aus als auf der grünen Wiese.
Was ihr nicht tun solltet: den Centre Court opfern, weil er zentral liegt. Padel funktioniert als Anbau am Rand genauso gut, und der Platz, auf dem die Medenspiele laufen, ist der schlechteste Kandidat.
Wie lange die Ecke Baustelle ist
Das ist die Frage, die in der Mitgliederversammlung kommt — und die Sorge dahinter ist berechtigt, wenn ihr mitten in der Saison baut.
Wie lange die Fläche Baustelle ist
Zwei Courts, nach unserem Bauzeitenplan. Die Genehmigung ist vorher durch.
Die Aushärtung lässt sich nicht abkürzen — das Streifenfundament braucht seine Festigkeit, bevor die Stahlkonstruktion darauf steht. Deshalb bauen viele Vereine im Winter.
Rund zehn Wochen von der ersten Baggerschaufel bis zum ersten Ballwechsel, davon vier Wochen reines Warten. Deshalb ist der Winter die richtige Bauzeit: Tiefbau im Oktober, Aushärtung über den November, Aufbau im Dezember oder Januar — und zur Freiluftsaison steht die Anlage. Die Genehmigung muss dafür allerdings im Sommer durch sein. Wer im Frühjahr anfängt zu planen, baut im Herbst darauf.
Was mit den Mitgliedern passiert
Hier wird es interessanter als bei der Fläche. Drei Modelle sehen wir in der Praxis:
Die Größenordnung dahinter ist überschaubar. Ein Outdoor-Court kostet im Unterhalt 2.100 bis 3.100 € im Jahr — bei einer Umlage von 60 € trägt sich der Platz ab rund 42 aktiven Padel-Spielern. Das ist eine Zahl, die die meisten Tennisvereine im ersten Jahr erreichen, oft schon in den ersten Monaten.
Wichtiger als das Modell ist etwas anderes: Padel bringt Leute in den Verein, die vorher nicht da waren. Der Sport ist nach einer Stunde spielbar, funktioniert in gemischten Gruppen und über Generationen hinweg, und er zieht genau die Altersgruppe an, um die sich Tennisvereine seit Jahren bemühen. Wer die Padel-Spieler nur als zahlende Gäste behandelt, verschenkt den eigentlichen Effekt.
Was wir in unseren eigenen Zahlen sehen
Wir betreiben selbst keine Anlage, aber wir wissen, wer unsere Courts bestellt. Von den 100 Anlagen mit 226 Courts, die wir bis heute gebaut haben, stehen 50 bei einem Tennisverein — zusammen 87 Courts. Gezählt über den Vereinsnamen, echte Vereinsanlagen sind es eher noch ein paar mehr.
Darunter sind Adressen wie der Hannoversche Tennis-Verein, der RTHC Bayer Leverkusen, TV Jahn Rheine oder der TV Espelkamp, der inzwischen bei vier Courts steht. Der Weg dorthin sah fast überall gleich aus: erst zwei Courts, dann die Erfahrung, dass sie voll sind, dann der Nachschlag.
Zwei Courts sind die sinnvolle Untergrenze
Ein einzelner Court ist schnell belegt und bremst sich selbst aus: Wer dreimal keinen Termin bekommt, fragt nicht mehr. Mit zwei Plätzen lassen sich Vierergruppen, Schnupperkurse und ein Ligabetrieb überhaupt erst organisieren. Wenn das Budget für zwei nicht reicht, ist die bessere Entscheidung meistens, ein Jahr zu warten — nicht, einen zu bauen.
Der Ablauf im Verein
Grob in dieser Reihenfolge, und in genau dieser Reihenfolge geht es am schnellsten:
- Auslastung der Tennisplätze messen. Das ist die Grundlage für alles Weitere und kostet nichts.
- Standort und Anzahl festlegen, am besten mit einem Aufmaß vor Ort statt mit dem Zollstock auf dem Luftbild.
- Kosten und Finanzierung klären — Förderungen und Sponsoring decken bei Vereinen oft einen erheblichen Teil.
- Beschluss der Mitgliederversammlung mit belastbaren Zahlen, nicht mit einer Schätzung.
- Genehmigung — hier hängen die meisten Projekte, vor allem am Lärmschutz. Die fünf typischen Hürden haben wir gesammelt.
- Bauen, idealerweise im Winter.
Verlieren wir dann Tennisplätze?
Rechnerisch ja, praktisch selten spürbar — wenn ihr den richtigen Platz umbaut. Die Frage ist nicht, wie viele Plätze ihr habt, sondern wie viele Stunden gespielt werden. Ein Platz, der pro Woche fünf Stunden belegt ist, kostet euch Pflege und bringt nichts; drei Padel-Courts an derselben Stelle laufen deutlich voller.
Was sagt der Tennisverband dazu?
Der DTB betreibt mit MyPadel eine eigene Padelmarke, organisiert Turniere und hat im September das Festival PADELHAM auf den Centre Court am Rothenbaum geholt. Die Zeiten, in denen Padel im Tennisverein als Konkurrenz galt, sind vorbei.
Können unsere Tennisspieler sofort Padel spielen?
Spielen ja, gut spielen nein. Der Aufschlag von unten, die Wände und das Spiel über die Ecke sind neu, und gerade gute Tennisspieler bremsen sich anfangs mit zu viel Tempo aus. Nach zwei, drei Stunden läuft es — das ist genau der Grund, warum der Sport so schnell hängen bleibt.
Können wir den Platz im Winter weiter nutzen?
Ja, und das ist einer der größten Unterschiede zum Ascheplatz. Ein Padel-Court mit Drainagebeton und Kunstrasen ist ganzjährig bespielbar, bei Regen nach kurzer Zeit wieder trocken. Nur bei Schnee und Frost ist Pause. Für viele Vereine ist das der eigentliche Gewinn: eine Anlage, die auch im Februar läuft.
Unser Gelände ist von der Stadt gepachtet. Geht das trotzdem?
In der Regel ja, aber die Kommune muss zustimmen und die Restlaufzeit des Pachtvertrags sollte zur Investition passen. Das ist ein Gespräch, das ihr früh führen solltet — nicht erst, wenn der Beschluss steht. Kommunen sind bei Padel inzwischen erfahren, viele fördern den Umbau sogar.
Fazit
Die Fläche ist selten das Problem: Wo heute zwei Tennisplätze liegen, stehen morgen drei Padel-Courts und es bleibt Platz übrig. Schwieriger sind die Fragen davor und danach — welcher Platz weicht, wann gebaut wird und wie die Mitglieder es bezahlen.
Wer diese drei Punkte sauber klärt, hat den Rest schnell hinter sich. Und bekommt eine Anlage, die im Februar genauso läuft wie im Juli.
Wenn bei euch gerade die Diskussion anfängt: Wir haben den kompletten Ablauf eines Platzbauprojekts aufgeschrieben, dazu die Vorbereitung und die ehrliche Rechnung zu den laufenden Kosten. Und wer erst einmal sehen will, wie so etwas aussieht: Im Platzfinder stehen die Anlagen, die es schon gibt.
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