Was ein Padelplatz im Betrieb wirklich kostet
Über Baukosten redet jeder, über den Unterhalt kaum jemand. Wir haben durchgerechnet, was ein Outdoor-Court pro Jahr frisst — Strom, Pflege, Rücklagen — und stellen die Zahlen der Einnahmenseite gegenüber. Mit dem Ergebnis, dass die meisten Vereine an der falschen Stelle rechnen.
Padello Redaktion
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In jeder Mitgliederversammlung, in der über Padel abgestimmt wird, kommt irgendwann diese eine Frage aus der dritten Reihe: „Und was kostet uns das dann jedes Jahr?" Meistens folgt darauf betretenes Schweigen, weil alle bis dahin nur über die Bausumme gesprochen haben.
Wir haben die Frage durchgerechnet — mit den Verbrauchswerten unserer eigenen Anlagen, aktuellen Strompreisen und Marktzahlen für Pflege und Materialwechsel. Vorweg das Ergebnis: Der Unterhalt ist deutlich günstiger, als die meisten schätzen. Der Fehler liegt woanders.
Schnellcheck
Laufende Kosten
Rund 2.100 bis 3.100 € pro Court und Jahr, inklusive Rücklage.
Flutlicht
38 Cent pro Stunde. Der Posten, den alle überschätzen.
Der eigentliche Hebel
Die Auslastung. Zehn Stunden mehr pro Woche schlagen jede Sparmaßnahme.
Strom: der überschätzte Posten
Beim Flutlicht vermuten die meisten die große Kostenfalle. Rechnen wir es aus.
Auf einem Padello-Court stehen standardmäßig acht LED-Strahler. Die aktuelle Generation zieht zusammen 1.511 Watt und bringt dabei im Mittel 387 Lux auf den Platz — genug für Vereinsbetrieb und Ligaspiele. Das sind anderthalb Kilowatt, also etwa so viel wie ein Wasserkocher.
Gewerbestrom liegt 2026 netto bei rund 25 Cent je Kilowattstunde, je nach Bundesland zwischen 20 und 26 Cent. Macht:
Tausend Flutlichtstunden sind für einen Outdoor-Court in Deutschland schon viel — das entspricht drei Stunden Licht an jedem einzelnen Tag des Jahres. Realistisch liegen die meisten Vereinsanlagen darunter, weil im Sommer bis 21 Uhr niemand Licht braucht.
Warum die Rechnung bei älteren Anlagen anders aussieht
Halogen- oder Metallhalogendampf-Flutlicht zieht für dieselbe Helligkeit schnell das Drei- bis Vierfache. Wer eine Tennisanlage mit Altbestand kennt und von dort seine Erwartung mitbringt, rechnet deshalb oft mit 1.500 € Stromkosten im Jahr — bei LED sind es ein Viertel davon.
Pflege: der Posten, den man nicht aufschieben sollte
Ein Padel-Court braucht wenig, aber regelmäßig. Der Kunstrasen muss gebürstet werden, damit sich die Fasern wieder aufstellen und der Quarzsand gleichmäßig verteilt bleibt. Alle zwei bis drei Wochen einmal drüber, das schafft jeder Platzwart.
Was man nicht selbst macht, ist die gründliche Maschinenpflege: tiefes Aufbürsten, Sand nachfüllen und egalisieren, Verschraubungen nachziehen, Netzspannung und -höhe prüfen. Am Markt kostet so ein Durchgang 500 bis 700 € pro Court, empfohlen sind ein bis zwei im Jahr. Unser Wartungspaket liegt bei 1.500 € und deckt die komplette Betreuung ab.
Der Unterschied zwischen gepflegt und vernachlässigt zeigt sich nicht sofort, sondern nach drei Jahren — dann ist der Sand verdichtet, der Ball springt unregelmäßig ab, und der Rasen ist an den Aufschlagpositionen platt. Ab da wird es teuer, weil sich das nicht mehr rausbürsten lässt.
Die Rücklage, an die niemand denkt
Kunstrasen ist ein Verschleißteil. Die Angaben zur Lebensdauer schwanken je nach Quelle und Nutzung zwischen vier und zwölf Jahren; für einen normal ausgelasteten Vereinsplatz sind rund sieben Jahre ein realistischer Ansatz. Der Austausch kostet je nach Qualität 3.000 bis 6.000 € pro Court.
Rechnet man mit 4.500 € und sieben Jahren, sind das rund 640 € im Jahr, die zurückgelegt gehören. Genau dieser Posten fehlt in fast jeder Vereinskalkulation, die wir zu sehen bekommen — und er ist der Grund, warum im achten Jahr plötzlich eine Sonderumlage im Raum steht.
Die Rücklage über sieben Jahre
Jedes Jahr 640 € beiseitegelegt, aufaddiert.
4.500 € ist die Mitte der Spanne von 3.000 bis 6.000 € je Court. Wer länger durchhält, hat Luft; wer früher wechseln muss, hat wenigstens den Großteil beisammen.
Die Jahresrechnung
Alles zusammen, pro Outdoor-Court, bei normaler Vereinsnutzung:
Jahreskosten je Court
Mittelwerte der Spannen von oben — zusammen rund 2.600 € im Jahr.
Der Posten, vor dem alle Angst haben, ist der kleinste. Der größte ist die Pflege — und der zweitgrößte ist Geld, das man nur zurücklegt.
Nicht enthalten sind Versicherung, Grundsteuer oder anteilige Verwaltungskosten — die hängen so stark am einzelnen Verein, dass jede Pauschale falsch wäre. Wer eine Tennisanlage betreibt, kann den Padel-Court dort meist ohne Aufschlag mit einschließen.
Und jetzt die andere Seite
Eine Stunde Padel kostet in Deutschland im Median 32 € zur Hauptzeit und 26 € in der Nebenzeit, die Spanne reicht von 8 bis 53 €. Legt man die 32 € zugrunde:
Betriebskosten gegen Einnahmen
Ein Court, 32 € je Stunde, 52 Wochen. Die Kosten bleiben gleich, nur die Auslastung wächst.
Zehn zusätzliche Stunden pro Woche bringen 16.640 € — mehr, als der Platz im Jahr überhaupt kostet.
Das ist der Punkt, an dem die meisten Kalkulationen schief liegen: Die Betriebskosten machen bei zehn Stunden Auslastung pro Woche etwa 15 Prozent der Einnahmen aus, bei dreißig Stunden noch fünf. Wer an der Wartung spart, um 500 € im Jahr zu retten, und dadurch den Platz schneller abnutzt, verliert mehr, als er gewinnt.
Für Vereine gilt eine andere Rechnung
Viele Vereine verlangen keine Stundenmiete, sondern finanzieren den Platz über Beiträge und eine Padel-Umlage. Dann ist die Frage nicht „Wie viele Stunden werden gebucht?", sondern „Wie viele Mitglieder spielen?". Bei 2.500 € Betriebskosten und einer Umlage von 60 € im Jahr trägt sich ein Court ab etwa 42 aktiven Padel-Spielern — eine Zahl, die die meisten Tennisvereine im ersten Jahr erreichen.
Was die Rechnung kippen kann
Drei Dinge, die wir in der Praxis immer wieder sehen:
- Ein mangelhafter Untergrund. Steht das Wasser auf dem Platz, weil die Bodenplatte nicht richtig entwässert, hast du Algen im Kunstrasen und einen Platz, der nach Regen stundenlang nicht bespielbar ist. Das kostet Auslastung, und die Sanierung ist teurer als die ganze Jahrespflege. Warum der Boden über alles entscheidet, haben wir an anderer Stelle beschrieben.
- Kein Verantwortlicher. Ein Platz ohne jemanden, der sich zuständig fühlt, wird weder gepflegt noch bespielt. Das ist kein Kostenproblem, sondern ein Organisationsproblem — und es entscheidet mehr über den Erfolg als jede Ausstattung.
- Zu wenig Plätze. Ein einzelner Court ist schnell voll und bremst sich selbst aus: Wer dreimal keinen Termin bekommt, hört auf zu fragen. Zwei Plätze laufen nicht doppelt so gut, sondern besser als doppelt.
Was kostet ein Indoor-Court im Unterhalt?
Der Court selbst kostet dasselbe. Der Unterschied ist die Halle: Beleuchtung läuft ganzjährig statt nur abends, dazu kommen Heizung, Lüftung und die Gebäudekosten. Als grober Anhalt: Der Hallenbetrieb kostet ein Vielfaches des Platzbetriebs, weshalb Indoor-Anlagen fast immer mit Stundenpreisen am oberen Ende arbeiten.
Muss der Kunstrasen wirklich nach sieben Jahren raus?
Nicht zwingend. Sieben Jahre sind ein Mittelwert für normale Vereinsnutzung; die Angaben reichen von vier bis zwölf Jahren. Entscheidend sind Pflege und Belastung. Ein wenig genutzter, gut gebürsteter Platz hält deutlich länger als ein Court, auf dem täglich acht Stunden gespielt wird — nur sollte man für den früheren Fall Geld zurückgelegt haben.
Lohnt sich ein Wartungsvertrag oder macht man das selbst?
Das regelmäßige Bürsten macht jeder Verein selbst, dafür braucht es niemanden. Die zwei gründlichen Durchgänge im Jahr — Tiefenbürsten, Sand egalisieren, Verschraubungen prüfen — brauchen Maschine und Erfahrung. Wer beides hat, kann es selbst machen. Wer es nicht hat, sollte es nicht improvisieren: Ein falsch nachgefüllter Platz spielt sich schlechter als ein ungepflegter.
Wie lange hält die Konstruktion selbst?
Deutlich länger als der Kunstrasen. Feuerverzinkte Fußelemente, pulverbeschichteter Stahl und ESG-Glas sind auf Jahrzehnte ausgelegt — dort entstehen im Normalbetrieb keine Kosten außer dem Nachziehen der Verschraubungen. Der einzige realistische Schadensfall ist eine gebrochene Scheibe, und die ist ein Versicherungsthema.
Fazit
Ein Outdoor-Court kostet im Unterhalt etwa so viel wie ein Kleinwagen in der Garage: 2.000 bis 3.000 € im Jahr, und davon ist der größte Einzelposten nicht der Strom, sondern das Geld, das man für den Kunstrasenwechsel zurücklegen sollte.
Verglichen mit dem, was der Platz einspielt, ist das wenig. Deshalb lohnt es sich nicht, an der Pflege zu sparen — sondern daran zu arbeiten, dass der Platz voll wird. Zehn zusätzliche Stunden pro Woche bringen mehr als jede Sparmaßnahme, die dir jemand vorrechnet.
Wenn bei euch gerade jemand diese Rechnung aufmacht: Wir haben den kompletten Ablauf eines Platzbauprojekts aufgeschrieben, dazu die fünf Hürden, an denen Projekte am häufigsten hängen bleiben, und einen Überblick über Förderungen und Sponsoring.
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