Aus der Tennishalle wird eine Padelhalle: Was reinpasst und woran es scheitert
In Kreuzau spielen jetzt sechs Padel-Courts in der alten Tennishalle, in Bad Sassendorf sind zwei von vier Tennisplätzen gewichen. Wie viele Courts in eure Halle passen, warum fast immer die Höhe entscheidet und was Boden und Bauamt sagen, mit Rechenhilfe.
Padello Redaktion
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In Kreuzau bei Düren hat gerade eine Padelhalle mit sechs Courts eröffnet, und zwar in der alten Tennishalle an der Friedenau. Das Doppel kostet dort 32 bis 39 Euro die Stunde, dazu gibt es Single-Courts für zwei Spieler. In Bad Sassendorf im Kreis Soest haben drei Investoren eine Tennishalle aus den Achtzigern umgebaut: Zwei der vier Tennisplätze sind geblieben, auf der anderen Hälfte stehen zwei Padel-Courts und ein Single-Court. Vom Baustart Anfang Mai bis zur Eröffnung im August vergingen gut drei Monate.
Die Idee liegt nahe. Eine Tennishalle hat alles, was andere Padel-Projekte erst suchen müssen: ein Dach, einen festen Boden, Umkleiden und Parkplätze. Und gerade jetzt im Herbst, wenn draußen die Abende kürzer werden, ist Hallenzeit am meisten wert. Ob es in eurer Halle klappt, entscheiden drei Zahlen: die Länge der Halle, die Höhe über den Courtenden und das, was unter dem Tennisteppich liegt.
Schnellcheck
4
Padel-Courts passen quer in eine typische Halle mit drei Tennisplätzen
6 m
frei über der ganzen Courtfläche, auch am Glas der Rückwand
16
Spieler pro Stunde statt höchstens zwölf auf drei Tennisplätzen
6–8 Wochen
Lieferzeit ab Vertrag, danach vier bis fünf Tage Montage je Court
Wie viele Courts in eine Tennishalle passen
Eine Tennishalle mit drei Plätzen misst in der Regel rund 36 mal 54 Meter, jedes Feld 18 mal 36. Ein Padel-Doppelcourt braucht drinnen 20,5 mal 10,5 Meter. Das Spielfeld selbst ist 20 mal 10 groß, der Rest sind die Bodenplatten, auf denen Glas und Gitter stehen. Dazu kommen 1,5 Meter Abstand zum Nachbarcourt und zur Wand. Das ist kein Verschnitt, sondern der Gang: Die Türen sitzen an den Längsseiten der Courts.
Gelegt wird quer. Die lange Seite des Courts läuft über die Hallentiefe, dort, wo vorher der Tennisplatz lag, und die Courts stehen nebeneinander in einer Reihe. Auf 54 Meter Hallenlänge passen so vier Doppelcourts, oder drei Doppel und zwei Single-Courts. Warum ausgerechnet quer, zeigt der nächste Abschnitt.
Aus drei Tennisplätzen werden vier Padel-Courts
Dieselbe Halle, 54 × 36 Meter, maßstäblich von oben
Grau rechts: der Streifen unter dem First, in dem die Beispielhalle mindestens 6 Meter hoch ist (21,6 m breit bei 9 m First und 4 m Traufe). Ein Doppelcourt misst drinnen 20,5 × 10,5 m, dazu 1,5 m Abstand. Sechs Courts in zwei Reihen gingen nur, wenn die Halle auch an den Längswänden 6 m hoch wäre.
Faustregel
Je Tennisfeld gut eineinhalb Padel-Courts
- 1 Tennisfeld: 1 Doppel oder 2 Single-Courts
- 2 Tennisfelder: 2 Doppel und 1 Single, genau so hat es Bad Sassendorf gemacht
- 3 Tennisfelder: 4 Doppel oder 3 Doppel und 2 Single
- 4 Tennisfelder: 5 Doppel und 1 Single
Gerechnet mit 18 Metern je Feld, quer gelegten Courts und 1,5 Metern Abstand zwischen den Courts und zu den Giebelwänden. Ein Single-Court ist 6,5 statt 10,5 Meter breit.
Aus drei Tennisplätzen mit höchstens zwölf Spielern pro Stunde werden damit vier Courts, auf denen fast immer Doppel gespielt wird: 16 Spieler pro Stunde, auf derselben Fläche.
Die Höhe entscheidet, und zwar am Ende des Courts
Tennishallen sind für Tennis gebaut: hoch über dem Netz, niedrig hinter der Grundlinie. Der Deutsche Tennis Bund empfiehlt am Netz mindestens neun Meter, von dort fällt das Dach bei Satteldach- und Bogenhallen zu den Längswänden ab. Padel braucht die Höhe aber nicht in der Mitte, sondern über der ganzen Courtfläche. Mindestens sechs Meter für den Freizeit- und Vereinsbetrieb, sieben für nationale Turniere, acht für internationale.
Deshalb liegen die Courts quer, ihre Mitte steht unter dem First. Ihre Enden sind dann gut zehn Meter von der Hallenmitte entfernt, und dort, am Glas der Rückwand, wird es eng.
Die Höhe entscheidet am Ende des Courts
Querschnitt durch eine Tennishalle mit Satteldach, 36 m tief, maßstäblich, hier die halbe Halle von der Wand bis zum First
Der Court liegt quer, mittig unter dem First. Seine Enden stehen 10,25 m von der Hallenmitte entfernt, dort ist die Beispielhalle noch 6,15 m hoch, knapp über der Grenze für den Freizeitbetrieb. Für nationale Turniere mit 7 m reicht es nicht. Gemessen wird bis zur Unterkante von Binder, Lampe oder Heizung.
Nachrechnen lässt sich das mit zwei Zahlen, die jeder Hallenbesitzer kennt oder schnell misst: der Höhe am First und der an der Traufe, also an der Längswand. Die Tabelle zeigt, wie hoch der First einer 36 Meter tiefen Satteldachhalle mindestens sein muss.
Übersetzt heißt das: Eine Halle mit neun Metern am Netz und vier an der Wand reicht für Freizeit-Padel, knapp. Eine ältere Halle mit sieben oder acht Metern im First reicht meistens nicht. Und wer Turniere mit sieben Metern ausrichten will, braucht bei vier Metern Traufe rund elf Meter im First.
Gemessen wird bis zum tiefsten Punkt, nicht bis zum Dach
Binder, Lampen, Heizstrahler und Lüftungsrohre hängen oft tiefer als gedacht. Für die sechs Meter zählt ihre Unterkante, und zwar über der ganzen Courtfläche.
Warum dann nicht längs, zwei Reihen hintereinander, sechs Courts? Weil die äußeren Courts dann direkt an den Längswänden stünden, wo die Halle nur so hoch ist wie die Traufe. Sechs Courts in zwei Reihen gehen nur in Hallen, die überall mindestens sechs Meter hoch sind, etwa mit Flachdach oder sehr hoher Traufe.
Ganz umbauen oder nur die Hälfte
Kreuzau hat die ganze Halle umgebaut, Bad Sassendorf die Hälfte. Beides hat seine Logik.
Ganze Halle
- Mehr Courts, ein Betrieb, eine Buchung.
- Lohnt sich vor allem dort, wo in der Nähe keine Padelhalle steht.
- Die Tennisspieler brauchen für den Winter eine andere Halle.
Halbe Halle
- Tennis behält seine Winterplätze, Padel kommt dazu.
- Für Vereine oft der leichtere Weg durch die Mitgliederversammlung.
- Zwischen beiden Bereichen braucht es ein Netz, damit keine Bälle rüberfliegen.
Ein Wort zum Single-Court: Er ist 6,5 statt 10,5 Meter breit, für zwei Spieler gedacht und füllt Lücken, in die kein Doppel mehr passt. In Kreuzau kostet die Stunde darauf 22 bis 26 Euro. Für Training und Einsteiger ist das ideal, als Hauptangebot aber zu wenig, weil fast alle Doppel spielen wollen.
Was sonst noch passen muss
- Boden: Der Tennisbelag kommt raus. Darunter muss ein ebener, tragfähiger Untergrund liegen, in den wir die Courts mit 12 Zentimeter langen Dübeln verankern. Reicht er nicht, kommt eine neue Bodenplatte drauf, bei uns ab 70 Euro je Quadratmeter netto.
- Heizung im Boden: Dann werden die Ankerpunkte ausgespart. Im Bestand zuerst die Rohrtiefe klären. Darf gar nicht gebohrt werden, gibt es mit Stahlplatten beschwerte Courts, als Notlösung mit 7.900 Euro Aufpreis je Doppelcourt.
- Licht: Die Lampen hängen in den Linien der alten Tennisplätze. Für Padel muss das Licht neu über die Courts verteilt werden.
- Umkleiden und Parkplätze: 16 statt bis zu zwölf Spieler pro Stunde, und beim Wechsel sind kurz beide Gruppen da. Duschen, Umkleiden und Stellplätze müssen das tragen.
- Genehmigung: Rechnet mit einer Nutzungsänderung. Was sie verlangt, entscheidet das Bauamt nach der Landesbauordnung, geschaut wird meist auf Stellplätze, Fluchtwege und Brandschutz. Lärm ist in einer geschlossenen, massiven Halle für die Nachbarn meist kein großes Thema, anders als draußen.
Was es kostet und wie lange es dauert
Der Court selbst ist drinnen günstiger als draußen, weil er auf den vorhandenen Boden gedübelt wird und keinem Wind standhalten muss: bei uns 27.900 Euro netto für den Indoor Basic, 29.900 für den Panorama ohne Pfosten zwischen den Glasscheiben, Single-Courts ab 25.900. Draußen kämen Erdarbeiten und Fundament dazu. Was eine Halle am Ende kostet, entscheidet sich deshalb am Rest: Boden, Licht, Umkleiden, Genehmigung. Die Investoren in Bad Sassendorf sprachen im Frühjahr von einer sechsstelligen Summe.
Von der Bestellung bis zur Lieferung vergehen sechs bis acht Wochen, danach dauert die Montage vier bis fünf Tage je Court. Wer im Januar in der Halle spielen will, sollte also im Oktober bestellen, vorausgesetzt, die Genehmigung steht. Ob Halle oder Freiplatz überhaupt die bessere Wahl ist, haben wir mit zehn Jahren Wetterdaten in einem eigenen Beitrag durchgerechnet, und wie Vereine den Schritt auf dem Außengelände gehen, steht im Beitrag über Padel im Tennisverein.
Häufige Fragen
Wie viele Padel-Courts passen in eine Tennishalle?
Als Faustregel gut eineinhalb je Tennisfeld, quer gelegt. In eine typische Halle mit drei Plätzen passen vier Doppelcourts oder drei Doppel und zwei Single-Courts. Voraussetzung ist, dass die Höhe über den Courtenden reicht.
Wie hoch muss eine Padelhalle sein?
Mindestens sechs Meter frei über der ganzen Courtfläche für den Freizeit- und Vereinsbetrieb, sieben für nationale, acht für internationale Turniere. Gemessen wird bis zum tiefsten Hindernis, also bis zur Unterkante von Binder, Lampe oder Heizung.
Braucht der Umbau eine Genehmigung?
Rechnet damit. In aller Regel ist eine Nutzungsänderung nötig, die Details regelt die Landesbauordnung. Geprüft werden meist Stellplätze, Fluchtwege und Brandschutz.
Kann man Tennis und Padel in einer Halle mischen?
Ja, Bad Sassendorf macht es vor: Zwei Tennisplätze bleiben, auf der anderen Hälfte stehen zwei Padel-Courts und ein Single-Court. Zwischen den Bereichen sollte ein Netz hängen.
Was kostet ein Indoor-Court?
Bei uns 27.900 Euro netto für den Indoor Basic und 29.900 für den Panorama, Single-Courts ab 25.900. Dazu kommen je nach Halle Boden, Licht und der Umbau drumherum.
Fazit
Eine Tennishalle ist für Padel ein guter Start, weil Dach, Boden und Umkleiden schon da sind. Ob sie reicht, entscheidet sich nicht an der Fläche, sondern an der Höhe über den Courtenden. Wer Firsthöhe, Traufhöhe und Hallenlänge kennt, weiß mit der Tabelle oben in fünf Minuten, ob Padel reinpasst und wie knapp es wird.
Passt Padel in eure Halle?
Schickt uns Grundriss und Schnitt, am besten mit Firsthöhe, Traufhöhe und einem Foto vom Hallenboden. Wir legen die Courts maßstäblich hinein und sagen euch, wie viele passen und wo es eng wird.
Zum PlatzbauQuellen: Aachener Zeitung zur Eröffnung in Kreuzau, Preise und Courts laut Website des Betreibers (Stand 27. September 2026), Soester Anzeiger vom 22. April und 16. August 2026 zu Bad Sassendorf, GROHA zu den Maßen einer Tennishalle mit drei Feldern, die Empfehlung des Deutschen Tennis Bundes zur Hallenhöhe am Netz. Courtmaße, Höhen und Preise (netto) aus unserer Planung und unserem Konfigurator. Beispielhalle und Tabelle sind unsere eigene Rechnung mit gleichmäßig geneigtem Satteldach, keine Werkplanung. Das Titelbild ist KI-generiert. Stand: 27. September 2026.
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